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market-196518_640Bio ist in. Das steht außer Frage. Sieht man sich aber einmal an, was dahinter steht, – nämlich mehr als eiskaltes Profitstreben, könnte einem auch ein wenig schummerig werden. Da werden Produkte einfach umetikettiert und so plötzlich zu wertvollen, nachhaltig produzierten Bioprodukten.

Mit bewegungsloser Mine lässt sich der Schweinezüchter seine Anlage mit etlichen Auflagen zur Bio-Erzeugerstätte umfirmieren, macht genauso weiter wie bisher – und kassiert. Doch hier ist die Rede von Kräutern, einer Zutat, die in keinem Essen fehlen darf. Die Kräuter und Gewürze, die man in Supermärkten kaufen kann, sind meistens gefriergetrocknet und haben den größten Teil ihres wirklichen Geschmackes verloren.

Frische Kräuter erhält man nur auf dem Bauernmarkt oder eben aus dem eigenen Garten. Beides ganz offensichtlich eine Sache, die Geld kostet. Man könnte also beinahe behaupten, wer frische Kräuter auf den Tisch bringt, beweist damit auch, dass er über ausreichende Geldmittel verfügt. Sei es, um die Kräuter im eigenen Garten – und den muss man erst einmal haben – anbaut, oder ob er sie teuer und frisch kauft. Dazu kommt, dass es die Definition der eigenen Persönlichkeit enorm stärkt, wenn man sich zum erlauchten Zirkel der Gourmets zählen darf.

Frischer Schnittlauch

Frische Kräuter – ob Schnittlauch, Thymian, Basilikum – sie verwandeln die einfachsten Gerichte in die reine Gaumenfreude. Das Saatgut für die Kräuter ist stark nachgefragt – ein ganz eigener Markt hat sich entwickelt, seit Bioprodukte – und damit auch die Kräuter in der Vielfalt der Auswahl – zu bevorzugten Objekten der Aussage: „Ich bin Bio – und ich kann es mir leisten!“ geworden sind. Sparen will trotzdem jeder. Also sucht man den billigsten Samen, in Baumärkten, in Supermärkten, die längst ihre Chance auf einem wachsenden Markt erkannt haben.

Der Mitarbeiter des botanischen Garten Berlins, ein Spezialist in Sachen Kräuter, meint, man solle sich nicht von derartig billigen Angeboten verführen lassen. Die Kräuter würden oft in Südeuropa, Exportware und billig, herangezogen, kämen mit dem herberen Mitteleuropäischen Klima nicht zurecht. Wer im Übrigen Kräuter pflanzen möchte, sollte das nicht mit herkömmlicher Blumenerde tun. Die enthält zu viel Phosphor, Stickstoff und Kalium. Es gibt spezielle Aussaaterde zu kaufen, da wo man auch gute Samen bekommt, in Gartencentern, Baumschulen oder Staudenmärkten.